1. Piroschka

Nun, nach dem frühen Tod meiner lieben Petra am 07. Juli 2020, möchte ich unsere seltsame Geschichte niederschreiben. Nicht, weil ich Verlust nicht verkraften kann und auch nicht, weil ich mich in Selbstmitleid übe, sondern wegen der traurigen Geschehnisse, die mir das Herz so schwer machen. Und die Wahrheit über einen unreifen Jungen ohne ausreichende Herzensbildung.

Mancher Leser wird oberflächlich schnell sagen, es sei übertrieben, denn ich kannte Petra doch nur kurze Zeit. Von Anfang Mai bis Mitte Juli 1976 und dann das Wiedersehen im September 2019 bis zum Juli 2020.
Welche Geschichte kann hier entstehen?

 

Im Roman „Ich denke oft an Piroschka“, das von einer nur Tage kurzen Jugendromanze erzählt, heißt es am Ende (nach dreißig Jahren):

 

„Ich hatte ihr ein Wiedersehen versprochen. Es kam nicht dazu. Den übernächsten Sommer verbrachte ich in Siebenbürgen, und auf der Rückreise wollte ich in H. Station machen. Aber ich wurde in Kronstadt krank: Scharlach, und mein Vater holte mich danach ab. Wir fuhren eine andere Strecke ...Vielleicht war es gut so. Denn wenn ich an Piroschka denke -und ich denke oft an sie-, ist sie immer jung und süß, siebzehn Jahre, mit der kecken Sechserlocke auf der Stirn ... Manchmal meine ich, es war gar nichts – das mit Piroschka. Aber es ist wohl alles gewesen. Alles.“

 

Hier endet das Buch.

Ich habe hier die Ausgabe von 1958, meinem Geburtsjahr.

 

Ich habe viel über die letzten Worte des Buches nachgedacht. "Manchmal meine ich, es war gar nichts – das mit Piroschka. Aber es ist wohl alles gewesen. Alles.“

Was bringt einen Mann nach dreißig Jahren dazu, diese Worte zu sagen? Worte die tief so unter die Haut gehen. Oder sagen wir, ins Herz treffen. Ich muss dabei unweigerlich an Petra denken und mit meiner törichten Lebensgeschichte vergleichen. Petra aus Kannawurf.

 

Wenn sich auch die Geschichte zwischen Petra und mir etwas anders zugetragen hat als im genannten Buch, so ist doch das Resümee nicht anders. „Manchmal meine ich, es war gar nichts – das mit Petra. Aber es ist wohl alles gewesen. Alles.“

 

Was ich sagen will, ist nicht mit ein oder zwei Sätzen getan. Es ist die Geschichte eines dummen Jungen von 17 und 18 Jahren, der nicht wusste, was das Leben bedeutet, nichts wusste, um Mädchen besser zu verstehen, nichts wusste von Herzeleid und Kummer, das man anderen Menschen bereitet. Und dieser Junge wusste damals auch nichts davon, wie schwer es ist auf dieser Welt, Liebe zu finden; Liebe, die echt und tief ist und die ein Leben lang halten kann.

Was war das für ein Junge, von dem ich hier schreibe?

 

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