11. Innere Wandlung

Wie ich in Kapitel 10 geschrieben habe, bin ich seit 1982 gläubig. Ich habe in diesem Zusammenhang viel nachgedacht und dabei kam ich zu dem Schluss, dass ich sehr viele Fehler im Leben gemacht hatte. Und die kann man ja bekanntlich nicht rückgängig machen. Um die Wendezeit, also gegen 1990, wurde mir die DDR Vergangenheit immer deutlicher und ich spürte den Wunsch, wo es möglich ist, betroffene Personen um Entschuldigung für mein früheres Verhalten zu bitten.

Natürlich ist das leichter gesagt als getan. Sehr oft kriegt man garnicht raus, wo derjenige oder diejenige wohnt. Besonders bei Frauen ist das noch schwerer; so ist es oft nicht möglich, eine Klassenkameradin zu finden, die ja in aller Regel einen anderen Familiennamen hat.

 

Zum andern darf man das auch nicht übertreiben. Besonders Frauen denken logischerweise, wenn man sich mit einem solchen Anliegen meldet, dass man Kontakt sucht.

Um Verzeihung bitten klingt ja zunächst so, also will man an alte Zeiten anknüpfen und eine Beziehung.

Und es ist auch ganz klar, dass der Aufwand nicht den Nutzen zerstören darf.

 

Beispiel:

Ich wäre nach Kannawurf gefahren und hätte die Leute gefragt "Sagen Sie mal, kennen Sie vielleicht eine Petra Soundso, die hat hier irgendwo gewohnt, wie heißt die denn jetzt und wo wohnt die? Leben ihre Eltern noch und wohnen die noch an der alten Adresse? Auch die Adresse hab ich vergessen ...

Man stelle sich das Gerede im Dorf vor. Das erfährt ja dann auch der Ehemann. Aber nehmen wir an, die Suche hat Erfolg, was dann?

Soll man dort an der Haustür klingeln? Da steht der Ehemann in der Tür und ruft "Petra, kommste mal, hier will einer was von dir."

Dann kommt sie und sagt "Ja? Wer sind Sie?". Ach du. "Ich komme wegen damals, weil ich mich so schlecht verhalten hatte; ich möchte dich bitten, mir zu verzeihen." Der Ehemann steht auch daneben und hustet laut und sie sagt "Na ich hab jetzt keine Zeit für sowas, ich weiß auch nicht so recht, was du willst."

 

Das wäre doch normal, oder?

 

Da wäre es schon besser, einen Brief zu schreiben, wo man in Ruhe sagen kann wie man's meint.

 

Aber das ergibt sich nicht so einfach. In einem Fall hat es bei mir gut geklappt, aber das ist eher die Ausnahme.

 

Es hat also keinen Sinn, sich überall "zum Affen zu machen", weil man etwas auf dem Herzen hat.

 

Und so waren auch meine Gedanken wegen meiner Petra aus Kannawurf. Wie sollte ich denn da vorgehen? Mir war klar, welches Unrecht ich begangen hatte. Wie heißt sie, wo wohnt sie, störe ich den Familienfrieden? Das will ich in Kapitel 12 beschreiben.

 

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