13. Aus der Stasi Akte

Ich hatte in dieser Zeit, auch 2010 und 2011 sehr viel mit meinen alten Akten zu erledigen. Dabei fand ich auch dieses Blatt wegen einer Wohnungsdurchsuchung durch das Ministerium für Staatssicherheit am 01. April 1980 in Artern. Das sind mehrere Blätter, aber es kommt hier nur auf das erste an!

 

Ich hatte keine Probleme, die einzelnen Punkte zu verstehen. Außer bei Punkt 17; da war ich ständig am Überlegen, was das bedeuten soll.

So oft ich auch an dieses Blatt kam, dachte ich jedesmal, was ist denn Punkt 17? Da stehen irgendwelche Abkürzungen, die mir nichts sagen. Das habe ich jedesmal gedacht.

Zur selben Zeit dachte ich viel an Petra aus Kannawurf. Bei mir ging kein Licht auf, dass das etwas mit Petra zu tun haben könnte, insbesondere ich die Akte ja nicht wegen Petra durcharbeitete, sondern aus andern Gründen.

 

Neun Jahre später und zwischendurch auch immer wieder, aber nun Anfang September 2019, hatte ich wieder an der Akte zu tun. Ich hatte auch in dieser Zeit das Gedicht wieder oft gelesen, wo ich immer weinen musste, da kam ich wieder auf das Blatt mit dem Punkt 17. Ich war so genervt, dass ich über soviel Jahre den Punkt 17 nie verstand und dachte mir:

 

"Jetzt machste dass mal ganz anders. Nicht darüber nachdenken, wer oder was das sein kann, sondern umgekehrt. Nur das Datum 29.7.76 ansehen und nur darüber nachdenken, was denn in meinem Leben Ende Juni 76 gewesen sein kann!"

 

Und ich ging im Geist alles durch, was irgendwie dort reinpassen könnte. Soviel hatte ich ja nicht zu dieser Zeit zu tun; ich war Kellnerlehrling und hatte zu der Zeit keinen Ärger mit irgendwas. Mit wem hatte ich denn zu dieser Zeit zu tun, verflixt nochmal?

 

Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen!

P. = Petra
R.= Familienname, der fiel mir spätestens jetzt wieder ein

K.= Kannawurf

 

Aber dann müsste doch "schl 21" ein Hinweis auf die Straße sein!

Also öffnete ich einen Straßenplan von Kannawurf und fand, dass es nur eine Straße gibt, die mit "Schl" anfängt.

 

Und jetzt fiel mir wieder ein, dass das der letzte Brief von Petra war, den hatte ich ja auch 1980 noch! Petra hatte sich damals also doch gemeldet und meine falsche Erinnerung löste sich in Luft auf, siehe Kapitel 8.

 

Nun ist das nicht traurig? Das hätte ich 9 Jahre früher merken können; ich hatte eben nur keinen geistigen Input damals. Aber Petra hatte eben diese Marotte, ihren Absender nicht auszuschreiben. Ich sagte zu ihr später "Hätteste das nicht so gemacht, hätte ich mich eher gemeldet!"

 

Jedenfalls hatte ich jetzt die alte Adresse und war wegen des früheren Namens ganz sicher. Daher suchte ich im Telefonbuch in Kannawurf nach diesem Namen und fand einen Verwandten von Petra. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und rief dort an. Der gab mir dann freundlich eine Auskunft, so dass ich Petra einen Brief schreiben konnte. Und er sagte mir auch, ach Petra ist doch schon über 20 Jahre alleine.

 

Petra sagte später "Du hättest ruhig eher kommen können.". Ja stimmt, 1995 vielleicht aber 2010 ganz sicher. Ich hatte es 2010 einfach nicht begriffen. Vielleicht bin ich einfach zu doof. Es sollte eben nicht sein. Es wäre leicht gewesen und einen PKW hatte ich zu der Zeit auch. Die Fahrt hätte 20 Minuten gedauert, wenn man langsam fährt. Petra hätte aber auch ihre Absender ausschreiben können. Wohin soll denn die Post den Brief zurücksenden, wenn ein Empfänger nicht mehr erreichbar ist?

 

So heiratete ich im Mai 2012 wieder.

 

Da ist noch etwas, was mich sehr traurig macht. Es handelt von einem Asia Imbiss in Bad Frankenhausen. Das schreibe ich im nächsten Kapitel.

 

Zusatz: Oben im Protokoll heißt es, die Dinge wurden meiner Mutter übergeben. Sie hat mir 1990 versichert, dass sie das nie erhalten hat. Also ist auch der Brief aus Kannawurf für immer verschwunden.

 

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