eine rose sah ich im abendlicht

eine rose sah ich im abendlicht

in schönheit und anmut gar fein

eine rose sah ich im abendlicht

sie scheinet wie köstlicher wein

 

sie stehet am andern wiesenrand

im lande das mir so fremd

ein bächlein voller tränen klar

die heide inmitten trennt

eine rose sah ich im abendlicht

wollt' liebe und hege ihr sein

 

eine rose sah ich am waldesrand

so einsam und allein

in urzeiten ward ein fluch gesagt

ganz tief in düstrer walpurgisnacht

von einer gramen, bösen magd

gewirket mit heimlicher macht

 

wer immer wollt' über's bächelein gehn

wird stumm zu der selbigen stund

so stünd er an dem röselein

und öffnet' nicht sein' mund

 

so wollt' ich stumm gar immer sein

für dich du schönste ros'

und tragen jahreaus und ein

mein herzens schweres los

 

doch tat ich einst dem vater mein

am grabe diesen eid

dass nimmer lang ich schweigen mag

bis endet meine zeit

 

des nachts im traume mir gedeut'

wenn einst mich dieser schwur gereut

wird alle lieb' die ich gar fühl'

in meines herzens grunde kühl

 

auch ward gezeigt, wenn ich dann fleh'

um lösung von dem band'

so alles wasser ich gebrauch'

wird salzig durch mein' hand

 

lieb' rose du am wiesenrain

ach traurig herzeleid

mag dir gern sagen diese pein

es kann jedoch nicht sein

so muss ich scheiden ohne gruß

dir winken ach so weit

kann heute nimmer fröhlich sein

zu dieser abendzeit

 

adé du liebes roselein

mein brünnlein nähret dich nicht

gar lieb sind viele töchterlein

werd´einst wohl eine andre frei'n

die weiß vom roselein nicht

 

eine rose sah mich im abendlicht

ihr herz das sprach "vergiss mein nicht!

wird gar das bächlein wieder frei

das so gebannt durch zauberei

es ihm an kraft dereinst gebricht?"

 

eine rose sah ich im abendlicht

in neuer zeit der zauber bricht

wenn gott den menschen dann verzeiht

ist liebe für die ewigkeit

 

Peter Schreiber © keine