6. Ein Herz und eine Seele

Petra war ein sehr hübsches Mädchen von 16 und einem halben Jahr; ihre schönen braunen Augen und ihre Locke auf der Stirn waren so anmutig, sie hatte sich nämlich ihre langen Haare abgeschnitten, aber die Welle in den Haaren im Stirnbereich ließ sich trotzdem nicht bändigen; und das sah sehr schick aus.

 

Sie strahlte eine Fröhlichkeit aus, die mir sehr gefiel; und sie strahlte eine große Sehnsucht nach Liebe aus. Gleichzeitig war ein Hauch von Melancholie in ihr, sodass sie nicht mit einer Frohnatur zu verwechseln war, also nicht eine, die immer gerne trinkt und feiert. Petra trank damals nie einen Tropfen Alkohol, wenn man von dem bisschen Sekt zur Betriebsfeier absieht, von dem die Rede war.

Es gab nie ein böses Wort zwischen uns; keinen Zank und keine Diskussionen wie es leider heutzutage allewege Mode ist. Da wir uns nicht immer für einen bestimmten Tag verabreden konnten, schrieben wir uns auch Briefe; Telefon hatten wir ja nicht wie schon erwähnt. Petra liebte es, in Briefen an mich außen auf der Rückseite etwas Nettes draufzukleben. Meine Mutter sagte "Du hast wohl eine kleine Freundin?". Sicher wusste sie nicht, dass der Begriff "kleine Freundin" eine negative Bedeutung hat. Ich wusste es damals auch nicht, aber der Begriff war trotzdem so unschön. Warum sagt man das so?

Petra zeigte mir gleich bei meinem ersten Besuch voller Freude eine Urkunde, die sie bei einem Luftgewehrschießen im Schulwettbewerb gewonnen hatte; es war der erste Platz, den sie belegt hatte. Hier ist die Urkunde!

Auch zeigte sie mir Fotos von ihrer Jugendweihe, auf einem war ihre beste Freundin zu sehen. Auf dieses Foto werde ich später noch zu sprechen kommen.

 

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